Indexomanie
Dieser Tage häufen sich die Artikel und Reportagen über die Indexmodulierungen. Schon vor der Sommerpause braute sich die Unzufriedenheit verschiedener Gewerkschaften zusammen. Nicht nur unser Premierminister ist gegen eine vorzeitige Wiedereinführung des Indexmechanismus, auch die Handwerkerkammer lässt in ihrem Magazin «d’handwierk» wissen, dass eine oder mehrere vorzeitige Indextranchen nur Verlierer bringen könnte.
Hier ist anzumerken, dass die Preise für Lebensmittel steigen und dass obwohl der Einkaufswagen immer gleich voll ist, trotzdem der Betrag auf dem Kassenzettel wächst. Es ist die Bevölkerung, welche die Folgen der Spar-Politik tragen muss, und somit ist es nicht verwunderlich, dass der Handel und auch das Handwerk, es immer mehr mit einer zaghaften Kundschaft zu tun bekommt. Eine Kundschaft, welche die Preise genau vergleicht und natürlich die billigere Alternative wählt.
Da stellt sich dann die Frage, ob nicht eine solche Spar-Politik mehr Verlierer hervorbringt als eine vorzeitige Anpassung der Löhne.
Bei allem Gedösel ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Leben in Luxemburg immer teurer wird und es für normal verdienende Familien in Luxemburg seit 2006 heißt den Gürtel enger zu schnallen. Nicht nur die Erdölpreise schnellen in die Höhe, sondern auch die Preise für das Nötigste. Kein Wunder also wenn sich am Samstag morgen die Autoschlangen nicht mehr zu bestbekannten Luxemburger Supermärkten sondern zu Billig-Märkten im In- und nahen Ausland bewegen. Des Weiteren ist es kein Wunder, dass bei einer Hausrenovierung nicht nur Kostenvoranschläge bei Handwerksbetrieben in Luxemburg angefragt werden, sondern auch im Ausland. Trotz längeren Anfahrtswegen, erweisen sich Letztere als kostengünstiger. Man hat das Gefühl als hätten unsere Handwerker noch nicht begriffen was Kundenfreundlichkeit und Konkurrenzfähigkeit ist. Ich verstehe schon, dass sich die Besitzer kleiner handwerklicher Betriebe mit 2 oder 3 Angestellten gegen eine vorzeitige Wiedereinführung des Indexmechanismus aussprechen, denn sie wollen ja auf beiden Seiten einkassieren. Auf der einen Seiten, wenn sie mit dem «Mëschtgreef» ihre Rechnungen ausstellen und auf der anderen Seiten möchten sie die Personalkosten auf ein Minimum reduzieren. Hier muss man sich bewusst werden, dass ein Arbeitnehmer in einem kleinen Betrieb nur den Index-Mechanismus hat um zu seiner wohlverdienten Lohnerhöhung zu kommen. Während dies bei großen Betrieben über Kollektiv-Verträge geregelt wird, ist der kleine Arbeiter auf sich selbst gestellt und seinem Arbeitgeber ausgeliefert! Der Indexmechanismus bewirkt also nicht nur dass Gutverdienende noch mehr einkassieren, sondern gewährleistet dass alle Löhne, unabhängig von Partei, Gewerkschaft oder Verband der effektiven Lebenserhaltungskosten angepasst werden.
Nachdem der Indexmechanismus benutzt wurde um, teilweise, die Staatskassen wieder aufzufüllen, muss man sich die Frage stellen ob hier die Nachteile nicht größer sind als die Vorteile. Wenn dies nämlich zum Verlust der Kaufkraft führt und die Luxemburger ihr Geld lieber, oder notgedrungen, im nahegelegenen Ausland verprassen, dann kann keiner mir erklären dass dies von Vorteil für die luxemburger Wirtschaft ist. Nachdem die überteuerten Preise auf dem nationalen Wohnungsmarkt viele Mitbürger ins Ausland vertrieben hat, bewirkt die übertriebene Sparsamkeit unserer Regierung eine Verlagerung der luxemburger Kaufkraft ins Ausland. Ist dies wirklich Sinn und Zweck?