Archiv

Artikel getaggt mit ‘Island’

Geschichte der Islandpferde

Im Jahre 870 n.Chr. kamen, den Überlieferungen zufolge, das erste Mal norwegische Wikinger auf die Insel Island und brachten ihre Familien und ihre Pferde mit. Die Pferde, die von den Wikingern mitgebracht wurden, bestanden zum großen Teil aus Kelten- und Germanenponys. Das Germanenpony hatte eine kleine Statur, aber es war viel Kraft und Ausdruck. Das Keltenpony hatten die Wikinger von ihren Raubzügen in Britannien mitgebracht. Es war ein leichteres, eleganteres Pferd als das der Germanen. Aus diesen zwei Pferdetypen entstand das heutige Islandpferd. Von Anfang an spielten die Pferde eine wichtige Rolle auf der Insel. Mit ihnen erkundeten die Wikinger das Hochland, trieben ihre Schafe zu den Weideplätzen und brachten schwere Lasten von hier nach dort. Aber die Pferde waren mehr als nur Arbeitstiere.

Ihre Eleganz, ihr Charakter und ihre Geschwindigkeit faszinierten die Menschen und so fand das Pferd seinen Weg in die Lieder, Gedichte und Sagen der Isländer so findet man z.B. in der Edda viele Geschichten in der Pferde eine Rolle spielen. Auch in der Zeit vor dem Jahr 1000, also vor der Christianisierung, hatten diese bis in unsere Zeit vom Gebäude unverändert gebliebenen Pferde einen festen Platz im religiösen Leben der Nordmänner gespielt. So soll ein dem Gott der Fruchtbarkeit Freyr gehörendes Pferd mit dem Namen Freyfaxi entgegen dem Befehl seines Herrn von einem Knecht geritten worden sein. Der Knecht wurde daraufhin von seinem Herrn getötet.

Gemäß dem ältesten isländischen Gesetzbuch, dem Gragas, wurde Pferdedibstahl als eines der schlimmsten Verbrechen mit Ächtung und Landesverweis bestraft. Noch im Jahre 1784 besagte ein dänisches Gesetz, daß Pferdediebe mit Auspeitschung und lebenslänglicher Sklaverei in der Hauptstadt Kopenhagen zu rechnen hatten. Edle Pferde wurden bis ins Mittelalter hinein als Geschenke innerhalb der verschiedenen Königshäuser verwendet. Der Sage nach verbot der Althing, das damalige isländische Parlament, schon im Jahr 930 die Einfuhr weiterer Pferde nach Island, und deshalb konnte sich das Islandpferd selbst entwickeln und Pferdekrankheiten konnten nicht eingeschleppt werden. Somit wäre das Islandpferd die einzige Rasse, die seit über 1000 Jahren rein erhalten ist und ihre Reinheit über einen so großen Zeitraum bewahren konnte. Auf jeden Fall sind Islandpferde die älteste bekannte Reinzucht der Welt.

Die Meinung, dass durch das Althing(Das Althing, isl. Alþingi, ist das Parlament Islands.), eine gesetzgebende Versammlung, aus Angst vor Tierseuchen bereits im Jahr 930 in Island ein Importverbot für lebende Tiere beschlossen wurde, das für Pferde bis heute gilt, ist weit verbreitet. Tatsächlich gilt das Pferde-Importverbot erst seit 1909. Vor allem Wallache anderer Rassen, z. B. von Fjordpferden, fanden zuvor als Arbeitspferde den Weg nach Island. Die heutige Rasse Islandpferd entwickelte sich aus der damals vorhandenen, gemischten Population nordischer Pony- und mitteleuropäischer Pferderassen. Historische Texte deuten darauf hin, dass jedoch auch einzelne Vollblutpferde in Island vererbten.

Das raue Klima, die Kälte und die Landschaft auf Island schufen über Jahre hinweg ein robustes, starkes Kleinpferd, was jeder Witterung trotzen kann. Die Bevölkerung Islands brauchte die Pferde, sie respektierten sie und verehrten sie seit dem Beginn ihres gemeinsamen Zusammenlebens auf der Insel im Nord Atlantik. Während der nächsten Jahrhunderte mussten die Pferde harte Prüfungen überstehen – äußerst raue Winter, Nahrungsmangel, Stürme – und manchmal auch gewaltige Vulkaneruptionen. Als im Jahre 1783 der größte Vulkanausbruch in der Geschichte der Insel stattfand, forderten die Auswirkungen zahlreiche Opfer. Wolken aus Asche und Rauch verdunkelten den Himmel und führten weit bis in den europäischen Kontinent hinein zu klimatischen Veränderungen. Ungeheure Aschemengen lagerten auf fast der gesamten Insel ab und vergifteten die Nahrungs- und Wasserquellen. Dünnflüssige Lava verbrante das Land. Die Pferde litten an Fluorvergiftungen und Erkrankungen der Maulhöhle, die Zähne verkamen. Selbst Regenwasser war nicht trinkbar, den Tieren fielen die Haare aus. Eine schwere Hungersnot folgte. Während 10.000 Menschen die folgen des Vulkanausbruches nicht überlebten, dezimierte sich der Bestand von 40.000 auf geschätzte 9.000 Pferde.

Als die Zeit der Industrie anbrach wurde das starke, resistente Islandpferd gerne als Arbeitstier nach Schotland exportiert um dort den Rest ihres Lebens in dunklen Kohlebergwerken Karren zu ziehen. Die meisten sahen das Tageslicht nie wieder, auch die, die am Ende überlebt hatten, waren meist erblindet. Rund 1000 Jahre waren diese Pferde die einzigen Transportmittel auf der oft unwegsamen Insel. Bis etwa 1926 wurden Islandpferde in Island als Reit- und Lasttiere benötigt, weil es noch kein Straßennetz gab. Dieser Leistung gedachten die Isländer, als sie in Reykjavik ihrem Lastpferd ein Denkmal setzten.

Die isländische Pferdezucht erlebte um 1940 einen Niedergang. Ende der vierziger Jahre wurde jedoch die Wende geschafft und das nahezu ausschließliche Zuchtziel “Reitpferd” etablierte sich. 1950 kam ein isländischer Züchter namens Gunnar Bjarnason auf die Idee, eine nationale Zuchtschau mit Reitturnier ins Leben zu rufen: Das Landsmót. Dort laufen auch heute noch die besten Pferde des Landes.

Isländische Bauern züchten bis heute hauptsächlich Pferde und Schafe. Auch die Pferde dienten von je her der Fleischgewinnung. Nur etwa 40 Prozent der gezüchteten Pferde werden in der Zucht oder als Reitpferde eingesetzt. Während es im grasreichen Südland von Island von je her regelrechte Fleischpferdezuchten gab und gibt, haben sich die Bauern in anderen Regionen auf die Zucht von Reitpferden spezialisiert, wobei hart selektiert wird. Vor allem im Norden Islands wird mehr wert auf den Reitsport gelegt. Die Pferde aus dieser Region sind auch viel schmaler und eleganter gezüchtet als die etwas derberen aus dem Süden. Auch legte man bei der Zucht zunächst keinerlei Wert auf Farben oder das Herauszüchten besonderer Eigenschaften. Nicht immer wurden jedoch Pferde in unserem Sinne verwendet. So sah man sich im Jahre 1539 gezwungen, die oft recht grausamen Hengstkämpfe durch Erlaß zu untersagen.

In den 50er und 60er Jahren erlebte das Islandpferd einen Export-Boom. Hauptmarkt war Deutschland, wo der Isländer als Freizeitpferd besondere Beliebtheit gewann, woran die “Immenhof”-Filmserie der Autorin Ursula Bruns, spätere Herausgeberin der Fachzeitschrift “Pony Post/ Freizeit im Sattel”, maßgeblich beteiligt war. Später entwickelte sich die Priorität der Zucht und Reiterei in Deutschland hin zu dem Gangpferd, das wir heute kennen.Hera von der Fuchsfarm mit Hengstfohlen Blìdfari vom BudersbergDie Zielsetzung eines vielseitigen, kompakt gebauten Geländereitpferdes “für die ganze Familie” trat demgegenüber in den Hintergrund, woran auch die steigende Preisentwicklung beteiligt war. 1967 wurde der Bundesverband IPZV e.V. gegründet. Bekannte deutsche Reiter wie Walter Feldmann und Hans Georg Gundlach entwickelten aus den Grundlagen der Dressurreiterei das Gangreiten und trugen das Wissen darum auch nach Island zurück.

Heute leben etwa 50.000 Islandpferde auf der nordischen Insel und ungefähr 100.000 auf dem europäischen Kontinent. Heute ist Deutschland nach Island das größte Zucht- und Exportland für Islandpferde. Doch nicht nur dort erfreut sich die Islandpferdereiterei großer Beliebtheit. Das Pferd hat auf der ganzen Welt seine Freunde gefunden.

Allgemeines zu Islandpferden

Das Islandpferd, auch Isländer oder Islandpony genannt, ist eine aus Island stammende, vielseitige und robuste Ponyrasse, die dank ihres kräftigen Körperbaus auch von Erwachsenen geritten werden kann. Islandpferde gehören zu den Gangpferden, da die meisten von ihnen nicht nur über die Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp verfügen, sondern zusätzlich über die genetisch fixierten Gangarten Tölt und/oder Pass. Als „Islandpferd“ anerkannt werden nur reingezogene Tiere, deren sämtliche Vorfahren lückenlos in Island geboren worden sind. In Island ist die Einfuhr von Pferden verboten. Das Fell der Islandpferde kann sehr viele Farben vorweisen, nur Tigerschecken gibt es bei den Isländern nicht.

Hamradìs vom Budersberg

Hamradìs vom Budersberg

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.